Eine Thrombose kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, wenn sich der Blutpfropf löst und mit dem Blutstrom fortgerissen wird.

 

Exkurs: Fördert COVID-19 Thrombosen und Lungenembolien?

Schwer kranke COVID-19-Patienten entwickeln häufiger Blutgerinnsel, beobachten Mediziner. Dadurch können wichtige Blutgefäße, etwa in der Lunge, verstopfen. Was bedeutet das für Patienten? Wir haben mit dem Thrombose-Experten Dr. med. Frank Misselwitz darüber gesprochen.

 

Herr Misselwitz, es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit COVID-19 dazu neigen, Blutgerinnsel zu bilden und diese zu Embolien, also dem Verschluss von Blutgefäßen, führen können. Wie beurteilen Sie dieses neue Wissen? 

 

Gerade in den ersten Wochen der akuten Infektionsphase haben mich täglich Ärzte und Professoren, mit denen wir schon seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten, angerufen und von Thrombosen beziehungsweise Lungenembolien bei COVID-19-Patienten berichtet. Das hatte zunächst niemand vermutet, weil jeder davon ausgegangen ist, dass das Coronavirus ein Lungenvirus ist, welches die Lunge angreift und schwere Atemwegsinfektionen hervorruft.

 

Inzwischen verdichten sich die Hinweise jedoch. Eine niederländische Veröffentlichung, bei der Daten von 184 Patienten analysiert wurden, stellte Thrombosen bei einem Drittel der COVID-19-Erkrankten fest. Das ist viel mehr als normalerweise üblich bei Patienten mit einer bakteriellen Lungenentzündung zum Beispiel.

 

 

Ist bekannt, dass Viruserkrankungen zu Thrombosen führen können?

 

Das kann man so verallgemeinernd nicht sagen. Es gibt Viren, die genau das Gegenteil machen, d. h. die Blutungen hervorrufen. Die meisten Viruserkrankungen haben keinen Einfluss auf Thrombosen.

 

 

Was genau macht das Coronavirus im Körper?

 

Ganz genau wissen wir das noch nicht. Aber allgemein können wir inzwischen sagen, dass durch COVID-19 sehr stark die Gefäßinnenwände, die sogenannten Endothelzellen geschädigt werden. Das geht einher mit einer stark entzündlichen Reaktion. Diese führt dazu, dass sich bei den betroffenen Patienten nicht nur in den großen Gefäßen Gerinnsel bilden, sondern teilweise auch in den kleinen Gefäßen. Und manchmal sogar an mehr als einer Stelle. Das kann dann zu Organversagen aufgrund der Verstopfung der Gefäße durch Blutgerinnsel führen.

 

 

Gibt es Faktoren, die Thrombosen bei Corona-Patienten begünstigen?

 

Generell können wir sagen, dass vor allem die schwer erkrankten COVID-19-Patienten betroffen sind – also Patienten in einem Zustand, in dem der Organismus ohnehin schon sehr angeschlagen ist. Darüber hinaus gibt es natürlich eine Reihe allgemein bekannter Risikofaktoren – etwa ein höheres Lebensalter, Übergewicht und Diabetes mellitus. Spezifische Risikofaktoren sind wahrscheinlich vorgeschädigte Blutgefäße, also zum Beispiel Arteriosklerose. Abgesehen davon ist die genaue Entstehung noch weitestgehend unklar. Da ist man erst am Anfang der wissenschaftlichen Untersuchung. 

 

 

Können blutverdünnende Medikamente diese Risiken mindern?

 

Es gibt inzwischen eine Beobachtungsstudie mit über 2.700 COVID-19-Patienten in den USA, die darauf hindeutet, dass die therapeutische Gabe von Blutgerinnungshemmern die Krankenhaussterblichkeit bei Corona-Patienten deutlich senkt. Es fehlen allerdings randomisierte, kontrollierte klinische Studien. Diese laufen derzeit noch.  

 

 

Gibt es offizielle Empfehlungen zur Gabe von Blutgerinnungshemmern bei COVID-19? 

 

Generell wird bei inneren Erkrankungen, die zu einer Bettlägerigkeit führen, eine Thrombose-Prophylaxe empfohlen. Ganz allgemein und unabhängig von COVID-19. Diese Medikamente können natürlich auch bei bettlägerigen Corona-Patienten eingesetzt werden, vorzugsweise mit dem Gerinnungshemmer Heparin.

Es gibt eine allgemeine Empfehlung seitens wissenschaftlicher Fachorganisationen zur Gabe von Blutgerinnungshemmern bei stationär behandelten COVID-19-Patienten, insbesondere, wenn sie intensivmedizinisch behandelt werden. Und natürlich bei Patienten, die bereits eine Thrombose hatten. Was im Moment noch für ganz schwer erkrankte Patienten diskutiert wird, ist eine höher dosierte Thromboseprophylaxe bis hin zu einer therapeutischen Dosierung. Da haben wir aber noch kein abschließend gesichertes Wissen.

 

 

Was bedeuten die neuen Erkenntnisse für Patienten, die die Erkrankung zu Hause durchmachen?

 

Das wissen wir noch nicht. Es gibt noch keine Empfehlung zur prophylaktischen Gabe von Blutgerinnungshemmern bei COVID-19-Patienten, die zu Hause behandelt werden. Dazu müssen wir zunächst laufende Studien abwarten. Es gibt allerdings Hinweise, dass bei Patienten in häuslicher Behandlung das Thromboserisiko deutlich geringer ist – wenn auch nicht gleich Null.

Patienten, die zum Beispiel aufgrund einer Herzerkrankung bereits blutverdünnende Medikamente nehmen, sollten diese weiterhin wie verordnet nehmen. Auf gar keinen Fall sollten sie jetzt eine Selbstmedikation vornehmen. 

 

Es ist auch ganz wichtig, dass sie routinemäßig ihre Arzttermine wahrnehmen. Wir beobachten schwere Fälle lebensbedrohlicher Thrombosen bei Menschen, die nicht an COVID-19 erkrankt sind, die nicht oder zu spät diagnostiziert werden. Viele scheuen in der aktuellen Corona-Pandemie den Arztbesuch aus Angst vor einer Infektion. Das kann gefährliche Folgen haben, wenn zum Beispiel die Behandlung eines Herzinfarktes zeitlich verzögert wird. Im schlimmsten Fall erwächst daraus eine größere Herzschädigung, als wenn man den Infarkt rechtzeitig behandelt hätte.

 

 

Was sind Alarmsignale für eine Thrombose?

 

Es gibt natürlich Symptome – in diesem Fall häufig für eine Tiefe Beinvenen-Thrombose, die durch Bettlägerigkeit und die Grunderkrankung verursacht wird: Das Blut staut sich in den Beinvenen und es kann sich dort ein Gerinnsel bilden. Das Bein bzw. häufig der Unterschenkel ist dann geschwollen, schmerzhaft und gerötet. Manchmal kann man sogar einen Venenstrang ertasten. Das ist dann ein Zeichen, das den Patienten sofort zum Arzt führen sollte.

 


 

Dr. med. Frank Misselwitz 

 

Bevor Frank Misselwitz in der Arzneimittel-Forschung bei Bayer tätig wurde, arbeitete er mehr als zehn Jahre als Arzt an Universitätskliniken und betreute Patienten im Rahmen einer Blutgerinnungssprechstunde. Ab 2002 war er bei Bayer als Leiter der klinischen Entwicklung maßgeblich an der Entwicklung des innovativen Blutgerinnungshemmers Rivaroxaban (Markenname Xarelto®) beteiligt. Dafür erhielten er und sein Team 2009 den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Ab 2005 leitete er den Therapiebereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist heute als Executive Scientist für Bayer tätig.

Tiefe Venen-Thrombose und Symptome

Eine Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Gefäß bildet. Grundsätzlich können Thrombosen in allen Blutgefäßen vorkommen. Am häufigsten treten Thrombosen jedoch in den tiefen Bein- und Beckenvenen auf.

 

Eine Thrombose-Entstehung hat meist nicht nur einen Grund allein. Bereits vor über 150 Jahren beschrieb der Berliner Pathologe Rudolf Virchow drei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken und die Entstehung einer Thrombose begünstigen:

 

  • eine Veränderung des Blutstromes: Verlangsamung oder Verwirbelung des Blutflusses (z. B. Verlangsamung durch Bettlägerigkeit)
  • Schäden an der Gefäßwand (z. B. bei Operationen)
  • Veränderungen der Blutzusammensetzung, zum Beispiel Vermehrung von Blutgerinnungsfaktoren postoperativ, während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes.

 

Diese drei Faktoren werden „Virchow’sche-Trias“ genannt und gelten noch heute.

Jedes Jahr sind in Deutschland bis zu 100.000 Menschen erstmals von einer Thrombose betroffen. Besonders gefährdet sind Patienten, die sich einer größeren orthopädischen Operation am Bein unterziehen, z. B. Einsetzen einer Hüft- oder Kniegelenksendoprothese. Bei diesen Patienten wird heute in aller Regel eine Thrombose-Prophylaxe als vorbeugende Maßnahme durchgeführt.

Ebenfalls gefährdet sind Frauen während der Schwangerschaft, in der Zeit nach der Geburt sowie während der Einnahme von Hormonpräparaten zur Empfängnisverhütung oder als Hormonersatztherapie während und nach den Wechseljahren.

 

Thrombose

Pädiatrische venöse Thromboembolien (VTE)

Zu den venösen Thromboembolien zählen Thrombosen in Gehirnvenen und Sinusthrombosen, die Lungenembolie (ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß blockiert) und die tiefe Venenthrombose (ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, oft im Bein).

Diese Thromboembolien werden immer häufiger bei hospitalisierten Kindern diagnostiziert. Der Grund sind die gestiegenen Überlebenschancen von Kindern mit lebensbedrohlichen oder chronischen Erkrankungen und das gewachsene Bewusstsein der Pädiater für diese Komplikation. Der häufigste Risikofaktor ist ein Venenverweilkatheter.1

Häufigkeit und Vorkommen von Thrombosen

Pro Jahr sind etwa 90 bis 130 von 100.000 Menschen erstmals von einer Tiefen Venen-Thrombose betroffen; das entspricht etwa 0,1 % der Allgemeinbevölkerung. In Abhängigkeit von der Definition sowie von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und von zahlreichen Risikofaktoren kann die Häufigkeit stark schwanken.

 

Grundsätzlich können Thrombosen in allen Blutgefäßen vorkommen, sowohl in den Arterien, die mit dem sauerstoffreichen Blut die Körperorgane versorgen, als auch in den Venen, die das sauerstoffarme Blut aus den Organen zur Lunge transportieren. Die Thrombose wird dementsprechend Arteriothrombose (Thrombose in den Arterien) oder Phlebothrombose (Thrombose in den Venen) genannt. 

Im Gegensatz zu den oberflächlichen Venen, die unter der Haut als blaue Adern sichtbar sind, verlaufen die tiefen Venen eingebettet zwischen der Bein- bzw. Armmuskulatur und sind nicht sichtbar. Am häufigsten treten Thrombosen in den tiefen Bein- und Beckenvenen auf (siehe Abb.).
 

Häufigkeit tiefe Venen-Thrombose

Die Folgen einer Thrombose

Es sind nicht nur die Thrombosen, sondern insbesondere ihre Folgen, die zur Erkrankung führen. Eine thrombosierte Arterie kann Sauerstoffarmut in einem von dieser Arterie versorgten Organ auslösen. Die wohl bekanntesten Beispiele dafür sind der Herzinfarkt durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes oder der Schlaganfall durch eine verstopfte Hirnarterie.

Unser Gerinnungssystem

Das Gerinnungssystem ist eine Schutzeinrichtung unseres Körpers, damit wir nach einer Verletzung nicht verbluten. Bei gesunden Personen wird nach Verletzungen das Gerinnungssystem innerhalb von kurzer Zeit aktiviert, und die Blutgerinnung verläuft einwandfrei.

Unser Gerinnungssystem

 

Vorgang der Blutgerinnung

Bestimmte Blutzellen, sogenannte Blutplättchen (Thrombozyten), lagern sich dabei im Bereich der Wunde an und bilden einen blutstillenden Pfropf (das ist die sogenannte primäre oder zelluläre Hämostase), der vor allem kleinere Wunden vorläufig abdichtet. Gleichzeitig wird in einem fein abgestimmten Zusammenspiel in einer Art Kettenreaktion der Prozess der Blutgerinnung (d. h. der sekundären oder plasmatischen Hämostase) in Gang gesetzt. Dabei entsteht über dem verletzten Gewebe ein Netz, in dem nun Blutplättchen und andere Blutzellen ein Gerinnsel bilden.

 

 

Entstehung des Thrombus als Folge der Blutgerinnung

Dieses Gerinnsel ist fester als der Thrombozytenpfropf und wird als Thrombus bezeichnet. Er dient dem Verschluss der Wunde. Bei einem gesunden Menschen sorgt im System der Blutgerinnung normalerweise ein ausgetüfteltes Gleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und gerinnungshemmenden Faktoren dafür, dass ein Blutgerinnsel nicht am falschen Ort – etwa in einem Blutgefäß – entsteht und sich nach erfolgreicher Stillung der Blutung wieder auflöst.

Venenklappe und Muskelpumpe

Für die Entstehung einer Thrombose ist häufig nicht nur eine einzelne Ursache verantwortlich, sondern es spielen verschiedene Faktoren eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle.

 


Gesunde Venenklappen und Muskelpumpe

 

Der Rückfluss des Blutes über die Beinvenen wird durch die Venenklappen und die Muskelpumpe gefördert. Bei den Venenklappen handelt es sich um taschenförmige Ausstülpungen der Gefäßinnenwand, die wie eine Art Rückschlagventil funktionieren (siehe Abb.). Wenn sie gesund sind, lassen sie das Blut nur in eine Richtung, nämlich zurück zum Herzen fließen.

 

Das Venenklappensystem wird durch die Muskelpumpe unterstützt. Zieht sich die Fuß- und Beinmuskulatur zusammen, wird Druck auf die Venen ausgeübt und das Blut wird zum Herzen hin gepresst. Durch die Bewegung der Muskeln wird der venöse Blutstrom verstärkt. Eine Verlangsamung des Blutflusses hingegen kann die Entstehung einer Thrombose begünstigen.

 

 

Typische Situationen zur Entstehung einer Thrombose

 

Typische Situationen, bei denen es zu einer Entstehung einer Thrombose kommt, sind Bettlägerigkeit aufgrund einer Erkrankung oder die Ruhigstellung des Beines, z. B. durch Gipsverbände. In diesem Zustand kann die Muskelpumpe in den Beinvenen nicht ausreichend arbeiten, sodass die Rückströmung des venösen Blutes nachlässt. Auch eine Schädigung der Venen – z. B. im Rahmen von größeren Operationen oder nach Unfällen – oder Erkrankungen wie Krebs oder Herzschwäche können die Entstehung einer Thrombose begünstigen.

Risikofaktoren und Folgen

Bereits vor über 150 Jahren nannte der Berliner Pathologe Rudolf Virchow drei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken und die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Diese drei Faktoren werden „Virchow’sche-Trias“ genannt und sind heute immer noch gültig.

 

  • Eine Verlangsamung oder Verwirbelung des Blutstromes (z. B. durch ruhigstellende Verbände oder Bettlägerigkeit)
  • Schäden an der Gefäßwand (z. B. bei Operationen)
  • Veränderungen der Blutzusammensetzung, z. B. Vermehrung von Blutgerinnungsfaktoren postoperativ, während der Schwangerschaft oder postpartal (nach der Geburt des Kindes)

 

 

Die Thrombose-Entstehung ist multifaktoriell

Eine Thrombose-Entstehung hat meist nicht nur einen Grund allein, sondern verschiedene Faktoren können gemeinsam dazu führen, dass sich das Blutgerinnsel bildet. In der Fachsprache heißt dies, dass eine Thrombose „multifaktoriell“ bedingt ist.

 

 

Blutverdickung begünstigt die Entstehung einer Thrombose

Veränderungen, die dazu führen, dass das Blut dickflüssiger wird, können die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Bluterkrankungen, die mit der unkontrollierten Vermehrung von Blutzellen einhergehen, oder die Vermehrung von Gerinnungsfaktoren nach einer Operation.

Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung einer Thrombose

  • Große Operationen oder Verletzungen
  • Bettruhe aufgrund einer akuten Erkrankung oder Ruhigstellung einer Extremität
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Bluterkrankungen, die mit der unkontrollierten Vermehrung von Blutzellen einhergehen
  • Schweres Krampfaderleiden (Varikosis)
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Einnahme bestimmter Medikamente: Hormone (z. B. Antibabypille, Hormonersatztherapie in den Wechseljahren), Krebsmedikamente
  • Angeborene oder erworbene Blutgerinnungsstörungen
  • Höheres Lebensalter (über 60 Jahre)
  • Eine vorausgegangene Thrombose oder Lungenembolie

Thrombose-Folgen

Welche Folgen können aus einer Thrombose entstehen, und welche Beschwerden können auftreten, wenn sich ein Thrombus in einer tiefen Beinvene bildet und den Blutstrom beeinträchtigt?

 

 

Thrombose-Folgen: Postthrombotisches Syndrom und Lungenembolie

Nach einer Tiefen Venen-Thrombose bleibt häufig eine Abflussbehinderung des Blutes zurück. Demzufolge können Thrombosen eine chronische venöse Insuffizienz verursachen und dadurch ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom auslösen.

Zum anderen kann sich akut der Blutpfropf lösen, mit dem Blutstrom fortgerissen werden und ein Lungengefäß verstopfen. Man spricht dann von einer Lungenembolie.

Postthrombotisches Syndrom

Eine Venen-Thrombose kann die Venenklappen schädigen und den venösen Blutrückstrom erschweren. Dadurch kann das Gewebe des betroffenen Beines geschädigt werden.

 

 

Folgeschäden: Postthrombotisches Syndrom

In der medizinischen Fachsprache heißen diese Folgeschäden „postthrombotisches Syndrom“. Es kann dabei zu einer dauerhaften Schwellung des Fußes bzw. Beines kommen, meist verbunden mit einem Spannungs- und Schweregefühl.

 

Darüber hinaus kann sich die Haut vor allem am Innenknöchel bräunlich verfärben und sich narbig verändern. In schweren Fällen entsteht ein Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris), das zu einem chronischen Verlauf neigt und schwer behandelbar ist.

Lungenembolie

Lungenembolie

 

Eine Thrombose kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, wenn sich der Blutpfropf löst und mit dem Blutstrom fortgerissen wird.

 

Gelangt der Thrombus bis zu den Lungenarterien und verstopft ein Blutgefäß, entsteht eine Lungenembolie. Dabei handelt es sich um eine gefürchtete und potenziell lebensbedrohliche Komplikation. Schätzungen zufolge sterben daran jährlich in Europa mehr als 500.000 Menschen.

 

 

Symptome einer Lungenembolie

Die Hauptsymptome einer Lungenembolie sind Atemnot, Herzrasen und Schmerzen in der Brust. Ferner können Angst und Beklemmungsgefühl, (Blut-)Husten, Schweißausbrüche und Ohnmachtsanfälle auftreten. Da es sich um einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand handelt, muss schon bei Verdacht auf Lungenembolie sofort ein Arzt gerufen werden.

Diagnose und Therapie

Aufgrund der gefürchteten und zum Teil lebensgefährlichen Komplikationen ist es von großer Bedeutung, Tiefe Venen-Thrombosen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

 

 

Wie macht sich eine Tiefe Beinvenen-Thrombose bemerkbar?

 

Für den Patienten ist eine Beinvenen-Thrombose nicht immer leicht zu erkennen. Die Anzeichen können unbestimmt sein oder fehlen. Das macht die Thrombose und ihre möglichen Folgen besonders gefährlich. Stellen sich die nachfolgend aufgeführten Beschwerden einzeln oder in Kombination ein, kann das auf das Vorliegen einer Beinvenen-Thrombose hindeuten.

 

 

Beinvenen-Thrombose erkennen

 

  • Ziehende Schmerzen und Druckempfindlichkeit der Wade, Kniekehle oder Leiste
  • Schmerzverstärkung bei Druck auf die Wadenmuskulatur oder bei Beugung des Fußes
  • Schwellung des Beins, sodass sich dieses im Umfang vom anderen Bein unterscheidet
  • Glänzende, bläuliche oder violette Verfärbung des betroffenen Beines
  • Überwärmung des betroffenen Beines, sodass der Temperaturunterschied zum anderen Bein fühlbar ist
  • Verstärktes Hervortreten und Sichtbarwerden der Venen an der Oberfläche
  • Schmerz bei Druck auf die Fußsohle

 

Die Behandlung einer akuten Tiefen Venen-Thrombose ist sehr wichtig, denn bei einer Thrombose handelt es sich um einen Notfall. Bereits bei begründetem Verdacht auf eine Tiefe Venen-Thrombose muss daher die Behandlung unverzüglich eingeleitet werden. Ziel der Thrombose-Behandlung ist es das weitere Wachstum des Thrombus zu verhindern und die Thrombusauflösung zu unterstützen, um somit den Blutfluss in der Vene wiederherzustellen. Ferner sollen eine Lungenembolie und das postthrombotische Syndrom verhindert werden. Ein rechtzeitiger Arztbesuch und eine frühzeitige Behandlung der Thrombose verbessern die Erfolgsaussichten und beugen oft Schlimmerem vor.

Kompressionstherapie

Bei der unterstützenden Behandlung der Thrombose wird das Bein mit einer Kompressionsbinde gewickelt oder ein maßangefertigter Kompressionsstrumpf angezogen.

 

Kompression

 

Die Kompressionstherapie sollte so früh wie möglich begonnen werden. Sie dient der Linderung der Beschwerden sowie dem Abschwellen der Beine. Zudem lassen sich Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms deutlich reduzieren.

Antikoagulanzien – Gerinnungshemmende Medikamente

Die erste und wichtigste Maßnahme der Thrombose-Behandlung besteht in einer Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulation) durch Gabe von Medikamenten zur Blutverdünnung (Antikoagulanzien). Diese sollen das Fortschreiten der Thrombose und ihre Folgen vermeiden. Die Therapie wird über einen Zeitraum von mehreren Monaten weitergeführt, um das erneute Auftreten von Thrombosen zu verhindern.

 

Antikoagulanzien (gerinnungshemmende Medikamente), die zur Vorbeugung (Prophylaxe) und Behandlung von Thrombosen verwendet werden, sind Heparine, Vitamin-K-Antagonisten, Thrombin-Hemmer und Faktor-Xa-Hemmer. Heparin wird als Infusion oder per Spritze unter die Haut verabreicht. Nach einigen Tagen erfolgt meist eine Umstellung der Therapie auf Vitamin-K-Antagonisten in Tablettenform.

 

Seit einigen Jahren stehen alternative, einfacher durchzuführende Therapien zur Verfügung, bei denen das Medikament als Tablette eingenommen werden kann. Zu den sogenannten „neuen Antikoagulanzien“ zählen beispielsweise die Faktor-Xa-Hemmer.

 

Antikoagulanzien werden nicht nur zur Prophylaxe und Therapie der Tiefen Venen-Thrombosen eingesetzt, sondern auch bei anderen Erkrankungen, beispielsweise bei nicht valvulärem Vorhofflimmern zur Vorbeugung von Schlaganfällen.

Heparine

Heparine

 

Heparine sind Hemmstoffe der Blutgerinnung (Antikoagulanzien). Sie kommen natürlicherweise im Körper als Bestandteile des Bindegewebes vor. Heparine werden überwiegend aus der Darmschleimhaut von Schweinen gewonnen, während neuere Präparate künstlich (synthetisch) hergestellt werden. Antikoagulanzien hemmen die Blutgerinnung und können so die Bildung von Blutgerinnseln weitgehend verhindern und den Abbau von vorhandenen unterstützen.

 

Da Heparine im Verdauungstrakt zerstört werden, müssen sie als Spritze oder über Infusionen verabreicht werden. Die Spritzen werden unter die Haut (subkutan = s. c.) oder in eine Vene injiziert. Bei den Heparinen unterscheidet man zwischen:

 

  • unfraktioniertem (Standard-)Heparin (UFH), dessen Moleküle relativ groß sind
  • niedermolekularem Heparin (NMH) mit kleineren Molekülen

 

Letztere sind eine Weiterentwicklung des unfraktionierten Heparins und weisen gegenüber diesem eine einfachere Anwendung und Dosierbarkeit sowie bessere Verträglichkeit auf. Heute werden überwiegend niedermolekulare Heparine als Antikoagulazien verwendet.

 

 

Vitamin-K-Antagonisten

Vitamin-K-Antagonisten (VKA) wirken als Gegenspieler des Vitamin K, das zur Bildung mehrerer Gerinnungsfaktoren in der Leber benötigt wird. Auf diese Weise wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes vermindert. Beispiele für Wirkstoffe sind henprocoumon oder Warfarin.

Diese Antikoagulanzien können oral, d. h. in Form von Tabletten eingenommen werden. Bei den VKA handelt es sich um wirksame Arzneimittel, die bereits in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts zugelassen wurden. Nachteilig ist, dass die Wirkung mithilfe eines Gerinnungstests (Quick-Test oder INR) regelmäßig kontrolliert und die Dosierung ständig angepasst werden muss. Ferner kann die Wirkung des VKA durch viele andere Medikamente und durch Nahrungsmittel beeinflusst werden.

 

 

Faktor-Xa-Hemmer

Faktor-Xa-Hemmer

 

Die Blutgerinnung ist ein komplexer Ablauf, der über ein mehrstufiges System (Gerinnungskaskade) gesteuert und kontrolliert wird. Verschiedene Enzyme – Eiweiße, die Reaktionen zwischen zwei Molekülen fördern oder hemmen können – übernehmen dabei zentrale Aufgaben zur Regulation.

 

Eines dieser Enzyme, die auch als Gerinnungsfaktoren bezeichnet werden, ist der sogenannte Faktor X (Faktor zehn). Er übt an einem zentralen Punkt, der sogenannten Gerinnungskaskade, seine regulierende Funktion aus. Solange die Blutgerinnung nicht angeregt wird, beispielsweise durch eine Schürfwunde, liegt Faktor X in seiner inaktiven Form vor. Kommt es zu einer Verletzung oder wird wie beim Vorhofflimmern die Bildung eines Thrombus initiiert, wird das Enzym in seine aktive Form (Faktor Xa) umgewandelt und führt letztlich mit dazu, dass sich ein Gerinnsel bilden kann.

 

Sogenannte Faktor-Xa-Hemmer machen sich diese zentrale Funktion des Faktors zu Beginn der Gerinnungskaskade zunutze, indem sie an entscheidender Stelle an das Enzym binden und so dessen Wirkung blockieren. Dies führt dazu, dass das Blut keine Blutgerinnsel bilden kann, also „flüssig“ bleibt. Dieser Effekt ist bei einer Tiefen Venen-Thrombose und Lungenembolie erwünscht und trägt dazu bei, dass sich die Thromben im Bein bzw. in der Lunge auflösen.

Referenzen

  • Male C et al. Lancet Haematol. 2019 Nov 4. pii: S2352-3026(19)30219-4 Return to content