„Schlaganfall kann auch Jüngere treffen“

Interview mit Gaby Köster

Foto: Stephan PickLeverkusen, 10. Mai 2016 – Wie der Blitz aus heiterem Himmel schlägt er in das Lebenein: der Schlaganfall. Für 270.000 Menschen jährlich wird er bittere Realität, verändertvon einer auf die andere Sekunde das ganze Leben. Der Schlaganfall ist die dritthäufigsteTodesursache und die häufigste Ursache für anhaltende Behinderungen wie Sprachverlust
oder Lähmungen. Die Autorin, Schauspielerin und Komödiantin Gaby Köster erlitt
2008 im Alter von 46 Jahren einen Schlaganfall. In einem Interview berichtet sie von
ihrem Weg zurück ins Leben und weist ganz besonders auf die Bedeutung der Initiativen
zur Aufklärung und Vorbeugung hin.

 

 

Es sind acht Jahre vergangen, seit ein Schlaganfall Sie mit nur 46 Jahren mitten
aus dem Leben gerissen hat. Wie geht es Ihnen heute?
Gaby Köster: Mir geht es heute wieder ziemlich gut. Ich bin in meinem Beruf wieder aktiv
wie vorher, ich war auf Tour und habe auch noch viele neue Projekte, die anstehen.

Als Sie vier Wochen nach dem Schlaganfall aus dem Koma erwachten, waren Sie
halbseitig gelähmt. Konnten Sie dieses Schicksal akzeptieren?
Gaby Köster: Ich fand das direkt ganz fürchterlich und es ist natürlich auch eine
unglaubliche Behinderung im Alltag. Ich hab mir aber auch gesagt, ich kann mich nicht
dagegen wehren, das ist nun mal so. Das Einfachste ist, es anzunehmen und nicht damit
zu hadern oder wütend zu sein.

Was haben Sie gefühlt und gedacht, als Sie vollkommen auf die Hilfe anderer
angewiesen waren. Fiel es Ihnen schwer, diese Hilfe anzunehmen?
Gaby Köster: Das war mit das Schwerste an dieser Krankheit, weil ich das nicht kann und
eigentlich ein sehr selbstständiger Mensch bin. Das ging mir gehörig auf den Zeiger und
das geht es auch heute noch.

Ihre Botschaft lautet „niemals aufgeben“. Was raten Sie Menschen mit erhöhtem
Schlaganfallrisiko, um sich vor Schlaganfall zu schützen?
Gaby Köster: Vielleicht mal eine Auszeit zu nehmen oder runterzufahren. Vor allem die
Belastung im Alltag überschaubar zu halten und es nicht zu übertreiben. Nach ersten
Warnzeichen im Leben wieder mitzumachen ist gut und schön, aber man muss halt
wirklich aufpassen. Außerdem sollte man sich auch mal informieren über Möglichkeiten
zur Früherkennung oder Vorbeugung und sich am besten frühzeitig mal an einen Arzt zu
wenden.

Glauben Sie, dass die Menschen Schlaganfälle – und wie man sich schützen kann –
unterschätzen?
Gaby Köster: Das kann ich mir sehr gut vorstellen, denn das ging mir nicht anders. Einen
Schlaganfall verbindet man als jüngerer Mensch immer mit älteren Leuten. Dem ist aber
nicht so, man ist in jedem Alter gefährdet! Ich hab´ auch später erst gehört, dass
tatsächlich schon Kinder im Mutterleib oder Kleinkinder Schlaganfälle erleiden können.
Das wusste ich vorher nicht. Für mich war das immer eine Krankheit, die Leute ab 70
oder 80 betrifft.

Wie wichtig ist es, alle Chancen zur Vorbeugung vor Schlaganfällen zu nutzen?
Gaby Köster: Ich glaube, man kann nicht alle Chancen nutzen, die sich einem bieten. Das
Problem ist ja auch, dass man die Chancen und Möglichkeiten häufig gar nicht kennt.
Deshalb sind mir alle Initiativen zur Aufklärung und Vorbeugung auch so wichtig.

Glauben Sie, dass der Zusammenhang zwischen Herz und Hirn bzw. Herzrhythmusstörungen
als Auslöser für Schlaganfälle ausreichend bekannt ist?
Gaby Köster: Nein, tatsächlich nicht, aber ich glaube, dass viele Patienten es auch eher
zufällig erfahren, dass sie schlaganfallgefährdet sind oder erst nach einem Schlaganfall.

Glauben Sie, dass mehr Aufklärung über die Risiken für Schlaganfälle notwendig
ist, und wie erreicht man Menschen Ihrer Meinung nach am besten?
Gaby Köster: Auf der einen Seite ist die Aufklärung sehr wichtig. Wenn man sich aber
beruflich oder sonst wie gerade in einer Tretmühle befindet, ist man auch oft
beratungsresistent. Da sind andere Dinge vorrangig und die beste Aufklärung nutzt
nichts, wenn sie nicht ernst genommen wird.

Sie haben sich mit unglaublicher Tapferkeit und Geduld zurück ins Leben
gekämpft. Was hat Ihnen die Kraft gegeben durchzuhalten, auch wenn die
Therapiefortschritte noch so klein waren?
Gaby Köster: Also auf jeden Fall meine Familie, Freunde und meine Haustiere. Das
Wichtigste war mir, dass meine Familie komplett von Anfang an hinter mir gestanden hat!
Ich habe mich für sie wahnsinnig bemüht, damit sie sehen, dass ihre Mühe auch
tatsächlich Erfolg hat.

Ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit ist zu entnehmen, dass Sie den Schlaganfallsogar als Chance sehen. Wie schaffen Sie es, so positiv mit der Erkrankung
umzugehen?
Gaby Köster: Wie schon gesagt, habe ich von Anfang an die Krankheit angenommen. Ich
sehe sie eigentlich auch weniger als Krankheit, sondern mehr als einen Unfall. Es macht
vieles leichter, wenn man das akzeptiert, statt sich pausenlos dagegen zu wehren und
darüber sauer zu sein. Man muss sich einfach fragen, wie mache ich jetzt das Beste
daraus?

Was hat Ihnen bei der Verarbeitung des Schlaganfalls geholfen? Haben Sie einen
Rat für Menschen, die einen Schlaganfall erlebt haben? Was können Betroffene
tun, um wieder in ein weitgehend normales Leben zurückzufinden?
Gaby Köster: Ganz wichtig ist, nicht den Humor zu verlieren, denn man hat dabei auch
ganz oft die Gelegenheit, über sich selbst zu lachen. Und das sollte man ausreichend und
kräftig tun! Das wäre mein Rat, und wie gesagt, das Ganze annehmen und nicht
resignieren.

In einer TV-Talksendung sagten Sie: „Schlaganfall heißt für mich: Erst bekommt
man den Schlag, dann kriegt man den Anfall.“ Ihrem Humor konnte die Erkrankung
also nichts anhaben?
Gaby Köster: Nein, dem Himmel sei Dank nicht!

Sie haben Ihren ersten Roman geschrieben: „Die Chefin“. Es geht um die Suche
nach dem Glück. Definieren Sie Glück heute anders als vor dem Schlaganfall?
Gaby Köster: Ja, Glück ist zum Beispiel, wenn man das nicht kriegt! (lacht)
Aber Glück kann auch im ganz Kleinen liegen: Im Frühling zum Beispiel blühende
Blümchen im Garten – das ist Glück. Und leckerer Kaffee und draußen sein!

Nun sind Sie auch wieder im Fernsehen zu sehen als Jurorin der RTL-Sendung:
„Die Puppenstars“. So erobern Sie sich Schritt für Schritt Ihr berufliches Leben
zurück, und das trotz noch bestehender Beeinträchtigungen. Haben Sie eine
Perspektive, wieder ganz gesund zu werden?
Gaby Köster: Ja, klar habe ich die. Wenn ich die nicht hätte, wäre ich wahrscheinlich
wahnsinnig geworden in den letzten acht Jahren. Ich habe schon von Therapeuten
gehört, dass Menschen auch über zehn Jahre nach einem Schlaganfall wieder ganz
gesund und ohne Beeinträchtigungen sein können. Das wären ab jetzt zwar immer noch
zwei Jahre; wenn es dann aber funktionieren würde, umso schöner! Man darf die Hoffnung
nicht verlieren, sonst wird man verrückt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, genau so isset!

 

Foto: Stephan Pick

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Zuletzt aktualisiert: 11. November 2017 - Copyright © Bayer Vital GmbH
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